Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft im Interview
Was ist der zentrale Auftrag der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und welche Ziele verfolgt sie in ihrer täglichen Arbeit?
Als Bildungsstiftung der deutschen Wirtschaft ermöglichen wir mit unseren verschiedenen Förder- und Stipendienprogrammen engagierten und talentierten jungen Menschen einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg – unabhängig von ihren Startbedingungen. All unsere Aktivitäten zielen darauf ab, die Innovationsfähigkeit zu stärken, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Chancengerechtigkeit zu verbessern. Wir unterstützen unsere Geförderten dabei, ihr Potenzial zu entfalten, unternehmerisches Denken zu entwickeln, mutig ihren Weg zu gehen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Bildungs- und Chancengerechtigkeit in Deutschland? Welche Hürden stehen jungen Menschen Ihrer Erfahrung nach besonders im Weg?
In Deutschland hängt der Bildungserfolg immer noch viel zu stark von der Herkunft ab. Das zeigen Bildungsstudien seit vielen Jahren – auch im Vergleich mit anderen OECD-Ländern. Leider sind wir weit davon entfernt, hier eine Kehrtwende zu schaffen. Als sdw setzen wir deshalb auf Individualförderung. Wir eröffnen Schülerinnen und Schülern Perspektiven und bestärken sie, neue Wege zu gehen. In der Begabtenförderung ermutigen wir gezielt weniger repräsentierte Gruppen zur Bewerbung, etwa solche, die als erste in ihrer Familie studieren, Studierende mit Fluchthintergrund oder Careleaver. Vielfach fehlt das Wissen, welche Möglichkeiten es gibt und es braucht Zuspruch, an sich zu glauben. Auch fehlende Vorbilder spielen häufig eine Rolle, deshalb arbeiten wir in unseren Programmen mit ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren zusammen, die bereits ähnliche Hürden genommen haben und ihre Erfahrungen weitergeben.
Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft konkret dazu beitragen, das Bildungssystem gerechter zu machen?
Ein Beispiel, wie gemeinsam Veränderung erreicht werden kann, ist das Thema Berufsorientierung, wo sich herkunftsbedingte Unterschiede in besonderem Maß zeigen. In einem gemeinsamen Transferprojekt konnten wir unsere Erfahrungen aus der Berufs- und Studienorientierung für Erstakademikerinnen und Erstakademiker im Programm Studienkompass einbringen und die Wirtschaft ihre Kompetenz aus dem Netzwerk SchuleWirtschaft. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, Politik und Bildungsverwaltung ist es gelungen, die erprobten Methoden für eine bessere Begleitung des Übergangs von der Schule in Ausbildung und Studium in Schulen zu bringen.
Dr. Alexandra Gerstner, Vorsitzende der Geschäftsführung, Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) - Mitglied im Verein Berliner Stiftungen seit Dezember 2025. |